Zweilicht von Nina Blazon
Die ersten Worte:
„Und er atmet wirklich?“, fragte Mo.
„Wäre ziemlich seltsam, wenn nicht“, antwortete Night
trocken. „Schlafende Menschen atmen für gewöhnlich. Auch wenn man es bei dem da
kaum sieht.“
Inhalt:
Endlich macht Jay sein langersehntes Auslandsjahr in New
York, wo sein Vater lange Zeit gelebt hat, nachdem er Jays Mutter Charlie
während der Schwangerschaft sitzen gelassen hat.
Trotzdem bedeutet sein Vater Jay sehr viel – auch wenn er
inzwischen schon tot ist.
In New York wohnt Jay bei seinem Onkel Matt und in der
Schule lernt er das Mädchen mit den Indianeraugen Madison kennen, in die er
sich verliebt.
Doch es verfolgt ihn das Mädchen Ivy, welches immer wieder
aus dem Nichts auftaucht und genauso schnell wieder verschwindet. Sie versucht
Jay vor Madison zu warnen. Doch Jay hat beim besten Willen keine Ahnung, was an
der sensiblen, geheimnisvollen Madison gefährlich sein soll.
Zu Anfang hält er das Schattenmädchen für die echte Gefahr,
doch bald schon merkt er, dass seine Welt eine Lüge ist und beginnt zu
erkennen, vor wem er sich wirklich in Acht nehmen sollte.
Meinung:
Von Nina Blazon erwarte ich mir spätestens seit „Ascheherz“
eine geheimnisvolle Story mit interessantem Setting, wo nichts ist, wie es
Anfangs scheint.
Und das habe ich mit „Zweilicht“ auch einmal mehr bekommen.
Zwar einen Tick weniger gut, als „Ascheherz“, aber trotz allem bis zum Schluss
ein Leseabenteuer.
Wie es für mich bei Blazons Büchern immer ist, dauert es
eine Weile, bis die Spannung zum Nägel kauen verleitet, da sie sich Zeit nimmt,
ihre Welt und Charaktere einzuführen und immer eine Art Vorgeschichte vor die
eigentlichen Geschehnisse setzt, so ähnlich wie es mir bei „Ascheherz“ auch
schon erschien.
Als Jay allerdings erkennt, dass sein New York so gar nicht
das ist, für was er es wochelang gehalten hat, da wird es spannend. Plötzlich
findet man sich in einer ganz neuen Welt wieder, die durchaus dystopische Züge
hat und den Leser in eine nicht so ganz unmögliche Zukunft entführt. Auch
dadurch, dass er lange Zeit nicht weiß, wer und was Madison und Ivy sind, wird
die Spannung erhöht, da man immer glaubt, man wisse, was los ist und dann kommt
doch etwas ganz Ungeahntes ans Tageslicht.
Dadurch wird allerdings auch Verwirrung gestiftet und
manchmal muss man auch dranbleiben, weil die Verwicklungen nicht unmittelbar
aufgeklärt werden. Da aber am Ende doch alle Puzzleteile an ihren Platz
rutschen, stellte das für mich keinen großen Minuspunkt dar.
Jay hat mir als Hauptfigur sehr gut gefallen. Trotz allem,
was er durchmacht, bleibt er sich selbst von Anfang bis Ende treu und verliert
die Hoffnung und den Mut nicht. Und vor allem glaubt er sowohl an Madison als
auch an Ivy; und dadurch ist diese Geschichte keine, in der Leute in Schubladen
einsortiert werden. Bis auf Einen gibt es keine deutliche Abgrenzung zwischen
Gut und Böse.
Madison und Ivy allerdings blieben mir ein klitzekleines
bisschen zu blass. Sicherlich ging das nicht anders, da Blazon zwecks des
Spannungsaufbaus der Handlung nicht zu viel über sie enthüllen konnte. Trotzdem
hätte ich über sie, ihre Vergangenheit und generell die Welt, wie sie ist, noch
etwas mehr erfahren wollen.
Blazons Welt dagegen hat mich wieder mal vollkommen in ihren
Bann gezogen. Wie immer sehr vielschichtig und kreativ – einfach überraschend
auf ganzer Linie. Spekulationen gehen bei diesem Buch wirklich zum größten Teil
ins Leere.
Der Schreibstil war wie immer flüssig und hat einen sofort
in Blazons Welt entführt und diese durch ein gutes Maß an Beschreibungen sehr
bunt und lebhaft ausgestaltet.
Fazit:
Trotz einiger Verwirrung und teilweise leicht schwachen
Nebencharakteren hat mich Nina Blazon in „Zweilicht“ wieder für ihre Geschichte
begeistern können. Die spannende, dystopisch angehauchte Welt und ein toller
Hauptprotagonist machen das Buch zu einem Leseabenteuer, das ich guten
Gewissens empfehlen kann.
4 von 5 Buchwelten.
Buchinformationen:
Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
Verlag: cbt (29. August 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 357016117X
ISBN-13: 978-3570161173
Preis: 18,99 €
Mehr von Nina Blazon (eigenständige Geschichten):
Zur Autorin:
Nina Blazon, geboren 1969 in Koper bei Triest, aufgewachsen in Neu-Ulm,
las schon als Jugendliche mit Begeisterung Fantasy-Literatur. Selbst zu
schreiben begann sie während ihres Germanistik-Studiums – Theaterstücke
und Kurzgeschichten – bevor sie den Fantasy-Jugendroman 'Im Bann des
Fluchträgers' schrieb, der 2003 mit dem 'Wolfgang-Hohlbein-Preis' und
2004 mit dem 'Deutschen Phantastik-Preis' ausgezeichnet wurde. Seither
haben Nina Blazons Bücher zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Die
erfolgreiche Jugendbuchautorin lebt in Stuttgart.
Mehr auf Nina Blazons Website:
www.ninablazon.de